Unter dem Motto „Von Städten und Ländern“ nahm der Musikverein Hördt am 09. Mai 2026 sein Publikum unter der bewährten Leitung von „Reiseführer“ und Dirigent Matthias Wolf mit auf eine musikalische Reise rund um die Welt. In der vollbesetzten Turn- und Festhalle Hördt erklang zu Beginn die Ouvertüre zu „Le Calife de Bagdad“ (Francois-Adrien Boieldieu), die das Publikum zunächst in die Welt der französischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts entführte. Spannende Einblicke hierzu gab es von Moderatorin Regina Pfiester-Bummel, die das Publikum wieder sehr charmant durch den Abend führte. Nach der Ouvertüre stand mit „Portrait of a City“ von Philip Sparke ein modernes und facettenreiches Werk auf dem Programm. Sparke zeichnet darin das musikalische Bild der pulsierenden Großstadt London. Wechselnde Stimmungen und eindrucksvolle Klangbilder ließen das geschäftige Treiben, aber auch ruhigere Momente einer Stadt lebendig werden. Das dreiteilige Portrait stellte dabei folgende Szenen in den Vordergrund: die Geschäftigkeit der Millionenstadt, einen ruhigen Park im Herbst und das turbulente Nachtleben in der Downtown. Besonders die kontrastreichen Passagen verlangten dem Orchester musikalische Präzision und Ausdrucksstärke ab. Vor der Pause wurde das Publikum direkt in die nächste Weltmetropole mitgenommen: New York. Das ebenfalls dreiteilige Arrangement von Warren Barker „New York: 1927“ versetzte das Publikum in die „Roaring Twenties“ der Großstadt. Das Orchester begann schwungvoll mit einem Ragtime, der an die Musik von Scott Joplin erinnerte. Anschließend wechselte die Stimmung zu einem bluesigen, stark von George Gershwin inspirierten Mittelteil, in dem besonders der Klarinettensatz glänzen konnte. Den Abschluss bildete ein temperamentvoller und marschartiger Schlussteil, der das turbulente, chaotische Treiben Manhattans musikalisch darstellte.

Ebenfalls schwungvoll ging es nach der Pause mit der Alvamar Overture von James Barnes weiter. Das Orchester präsentierte Melodien einer fiktiven Stadt, so konnte sich jeder Zuhörer sein eigenes Bild der Stadt machen. Nach dem Stück wurden drei langjährige Musikerinnen und Musiker geehrt. Verbandsjugendleiter Jonas Isufaj durfte Laura Werling die Ehrennadel des Kreismusikverbandes Germersheim für 10-jähriges aktives Musizieren übergeben. Andrea Goldt und Patrick Weßling wurden außerdem für 25-jähriges aktives Musizieren mit der Silbernen Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände ausgezeichnet. Nach den Ehrungen führte die musikalische Reise das Publikum weiter nach Asien: Die „Variations on a Korean Folk Song“ (John Barnes Chance) erschufen auf Grundlage eines koreanischen Volksliedes kraftvolle Klangbilder. Doch so lange sollte sich das Orchester dann nicht in Asien aufhalten: „Festa Paesana“ von Jacob de Haan brachte das Publikum auf seiner Weltreise in den mediterranen europäischen Raum. Der Titel bedeutet übersetzt „Dorffest“ oder „ländliches Fest“ – und genau dieses Bild zeichnete die Musik: Feierliche Fanfaren, tänzerische Rhythmen und lyrische Momente wechselten sich abwechslungsreich ab und vermittelten den Eindruck, gar nicht in einer Festhalle zu sitzen, sondern einen fröhlichen Festtag unter freiem Himmel zu feiern!
Das letzte offizielle Stück aus dem Programm, Paris Montmartre, brachte das Publikum musikalisch in die Straßen und Cafés des berühmten Pariser Künstlerviertels. Der japanische Komponist Toshio Mashima verbindet in diesem Werk französisches Flair mit jazzigen Rhythmen zu einem eindrucksvollen Klangerlebnis. Bereits die ersten Takte zeichneten ein lebendiges Bild der pulsierenden Atmosphäre von Montmartre. Mal schwungvoll und temperamentvoll, mal ruhig und verträumt, gelang es dem Orchester, die unterschiedlichen Stimmungen des Stückes eindrucksvoll herauszuarbeiten. Begleitet wurde das Orchester dabei von einem Instrument, das man sofort mit der Stadt assoziiert: dem Akkordeon. Elke Liebel brachte mit ihrem solistischen Spiel einen Hauch von französischer Luft in die Festhalle. Doch auch viele weitere Solistinnen und Solisten konnten mit ihren Beiträgen eindrucksvoll überzeugen! Sie alle erhielten nach dem Stück nochmal einen Sonderapplaus.
Nach langanhaltenden Standing Ovations des Publikums setzte das Orchester zum traditionellen Stück „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ (Hildegard Knef) an, während alle weiblichen Zuhörerinnen von den Jungmusikern eine Rose als Muttertagsgeschenk überreicht bekamen. Als zweite Zugabe schloss das Orchester den Kreis und kehrte nach Deutschland zurück: Die sichtbare Spielfreude der Musiker bei dem Marsch „Berliner Luft“ übertrug sich auf das Publikum, das den Takt begeistert mitklatschte. So entwickelte sich das Stück zu einem fröhlichen und stimmungsvollen Abschluss eines äußerst gelungenen Konzertabends!
Text: Jonas Isufaj
Foto: Gregor Löhr



